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Lesedauer: 8 min 31.10.2019

Wie organisieren wir gute Arbeit?

II. KU Symposium – Perspektiven

Wie entwickeln Organisationen Sensibilität für ihr Inneres und die Außenwelt? Wie schaffen sie als Orte Atmosphären für einen fruchtbaren Austausch mit ihren Menschen, anderen Organisationen und der Gesellschaft? Wie entwickeln sich unternehmerische Ökosysteme und wie organisiert man sich in diesen? Welche Organisationen braucht es überhaupt noch?

Mit diesen oberen Ausgangsfragen richtete das II. KU Symposium seinen Fokus auf zukunftsweisende Organisationen. Im Rahmen eines abendlichen Auftakts in den städtischen New Work-Hallen von Design Offices, einem Beispiel zukünftiger Arbeitswelten, tauchten wir ein in den Metalog, wie neue Organisationen neues Arbeiten wirklich verwirklichen.

Denn dabei geht es, ahnt Christian Jacobs schon im Auftakt, um Atmosphären – um Arbeitsatmosphären der Zukunft, die vielmehr von gut organisierten Strukturen und Deutungsmustern gestaltet werden, als dass sie selbst Organisationen sind. Atmosphären, die mit allen Sinnen gespürt werden. Atmosphären, denen ein Geist innewohnt.
Vielleicht wurzelt hier eine Brücke zum heutigen Imperativ des Gründergeists, von dem der Entrepreneur Winfried Richter erzählt. Alles eine Frage der Wahrnehmung? Der WahrNEHMUNG, die in ihrer Begrifflichkeit schon auf das eigene aktive Handeln hinweist. Was nimmst Du selbst wahr? Was siehst Du und was über-siehst Du? Etwas, nach dem man nicht gesucht hat, ist zumindest sehr einfach zu übersehen. Daher gilt es, nicht zu suchen, sondern zu finden. Die Sinne zu schärfen für das Unsichtbare und Besondere, groß zu denken und dort anzufangen, wo es JETZT unerwartet und MORGEN wichtig ist. Es geht darum, nicht nur UnternehmerIn zu sein, sondern unternehmerisch zu handeln.

Sabine Sauber, Unternehmenssprecherin von Design Offices, und Michael Schmutzer, Gründer und Geschäftsführer von Design Offices, sind sich sicher: ‚digital wird analog‘. Ein Wandel – hin zu einem neuen Arbeiten zwischen Fokus, Kollaboration, Lernen und Netzwerken – der dabei in seiner Vielfältigkeit nicht auf Eindeutigkeiten reduziert werden muss. Eine Bewegung, die Türen öffnet und Räume zu Arbeitslandschaften verschmelzen lässt. Landschaften, in denen sich – vergleichbar mit einer Waldlandschaft – Überraschungen und zufällige Begegnungen ergeben, in denen man berührt wird, erlebt und staunt.
Und indem man in solchen Landschaften nicht zurück entlang des Weges schreitet, der aus der Vergangenheit kommt, sondern nach vorne entlang des Weges, der sich aus der Zukunft auf einen zubewegt, gestaltet man nächste Organisationen. Auch die TeilnehmerInnen gehen zum Ausklang des Symposiums aufeinander zu. Und zwar auf eine andere am Symposium teilnehmende Person, die maximal anders wirkt als man selbst. Organisieren wir so schon Zukunft?

Klassisch-unkonventionell bewegt sich dieser Metalog am zweiten Tag in den kreativ-sinnesintensiven Sphären des Schloss Freudenberg weiter. An diesem Ort, an dem das Leben – und somit auch das Leben innerhalb von Organisationen – in der Verbindung von Kunst und Natur spürbar wird, vertiefen Sinneserfahrungen und Impulse die Beschäftigung mit zukunftsweisenden Organisationen.

Im Dachgeschoss des Schlosses begegnen die TeilnehmerInnen einer Panzerskulptur aus Sitzkissen - dem Documenta Kunstwerk Polemos des griechischen Künstlers Andreas Angelidakis. Es beginnt mit einer Auseinandersetzung. Einer gemeinsamen Auseinandersetzung der Skulptur mit der Frage ‚Wie wollen wir unseren GEMEINSAMEN Arbeits- und Gesprächsraum gestalten?‘ Beobachtend, wie dabei jeder zunächst für sich einen Einzelplatz baut, fragt Christian Jacobs: Wieviel Gemeinschaft ist in Unternehmen schon vorhanden? Und wieviel Gefühl von (Un-)Sicherheit brauchen wir, um in einen (Arbeits-)Raum zu treten? Wie gestalten wir in den nächsten Organisationen Grenzen, wie gestalten wir Berührungspunkte? Berührungspunkte, wie es das bunte Laub in den Innenräumen des Schloss Freudenberg erzeugt – und so die Grenzen zwischen dem vom Mensch gestalteten Raum und der Natur überschreitet.

Alles eine Frage der Kultur? Europa Bendig und Stefan Baumann von Sturm & Drang sehen in Räumen Resonanzräume, die als neue Orte Organisationen evolvieren. Zwischenräume, in denen es einer verbindend-neuen Gestaltung der Kultur bedarf. Gedacht wird im nächstgrößeren Kontext – und der Raum dabei auch als Atmosphäre begriffen, als kulturaufgeladener Raum, dem ein Geist INNEwohnt. Ein Geist, den man vielmehr spüren als konkret verbalisieren kann – und dessen Wahrnehmung wichtig ist in unserer heutigen Zeit, in der alles grenzüberschreitend, komplex, unvorhersehbar, mehrdeutig und multikausal ist. Organisationen erleben wie kulturelle und soziale Organismen im Kontextwandel eine konstante Evolution – von innen heraus. Jede Veränderung beginnt beim Menschen – im Zeichnen neuer INNERER Bilder davon, was man als Organisation oder Mensch sein wird. Bewegt sich der Mensch, bewegt sich seine Kultur, bewegt sich die Organisation als Ganzes. Bewusstseinsentwicklung, los! Ein Verständnis für die Kultur entsteht in der Veränderung.

Unternehmensphilosoph Dominic Veken spricht von einer Zellularität, von der Biologisierung von Organisationen und wirft provokant in die Runde: Im Rückwärtsgang werden wir die Welt nicht retten. Wichtig sei es, in den Gedanken frei zu bleiben und weiterhin das Undenkbare zu denken. Werden die Organisationen von heute die sozialen Bewegungen von morgen, die in ihrer Beweglichkeit auch soziale Wesen im Herzen berühren? Strukturell brauche es dafür Authentizität, Autonomie, Algorithmen und Ambition. Gewinnen wird das Integrative. Der Blick auf den Menschen als Persönlichkeit im Mittelpunkt von Organisationen, die organisch in Form eines Ökosystems wachsen. Aus der Kraft des inneren Anliegens heraus, statt getrieben von äußerem Druck. Fruchtbar werden können diese Ideen in neuen Organisationsformen, die Autonomie und Anpassung miteinander verbinden. Die vier genannten Punkte um Zellularität und Überzeugung ergänzend, entsteht vielleicht die moderne Bewegung, die die Welt bewegen – und vielleicht sogar den Humanismus überwinden – kann.

Das Symposium bleibt menschlich. Wir bewegen uns durch die alle Sinne reizenden Innenräume und den Garten. Es geht um die Wahrnehmung. Um die Perspektive. Und den Kontext. Zwischen Tiefe und Breite von Theorie und Praxis wurde in den letzten 24 Stunden gemeinsam das Wesen von Organisationen erforscht, die durch ihr Wirken jetzt und zukünftig einen positiven Unterschied machen werden. Für die Gesellschaft, den Markt und ihre Mitarbeiter. Fangen wir INNEN an. Was der Tag uns bringt, liegt täglich in uns selbst.